Ihre Solaranlage liefert mittags mehr Strom, als Sie brauchen. Der Überschuss geht für wenige Cent ins Netz, und abends kaufen Sie Strom teuer zurück. Ein Speicher soll diese Lücke schließen. Ob er sich bei einer bestehenden Anlage rechnet, hängt vor allem an drei Zahlen: Ihrem Verbrauch am Abend, dem Überschuss Ihrer Anlage und der Vergütung, die sie heute bekommt. Hier steht, wie Sie das prüfen, wie Sie die Ersparnis gegen das Angebot rechnen und was beim Umbau dazukommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Wann es sich lohnt: bei hohem Verbrauch, vor allem abends, und einer Anlage, die den Speicher an einem durchschnittlichen Tag füllt.
- Wann eher nicht: wenn Ihre Anlage noch eine hohe feste Einspeisevergütung bekommt. Jede gespeicherte Kilowattstunde fehlt dann bei der Vergütung.
- Was der Speicher nicht kann: Strom vom Sommer in den Winter tragen. Er verschiebt Strom vom Mittag in den Abend und die Nacht.
- Was oft dazukommt: ein neuer Wechselrichter und Arbeiten am Zählerschrank. Bei älteren Anlagen ist der Umbau meist größer als gedacht.
Drei Zahlen entscheiden
- 1. Ihr Verbrauch am Abend und in der Nacht Deckt der Speicher Ihren Verbrauch zwischen Abend und Morgen?
- 2. Der Überschuss Ihrer Anlage Nur Strom, den Sie mittags übrig haben, füllt ihn.
- 3. Die Vergütung Ihrer Anlage Je höher Ihre Vergütung, desto weniger bleibt übrig.
1. Ihr Verbrauch am Abend und in der Nacht
Ein Speicher hilft nur, wenn Sie Strom brauchen, während die Sonne nicht scheint. Gut bemessen ist er, wenn er Ihren Verbrauch zwischen Abend und Morgen deckt. Die Verbraucherzentrale nennt als Richtwert etwa 1,5 Kilowattstunden Speicher pro 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Ein größerer Speicher kostet mehr, altert schneller und bringt kaum mehr Eigenverbrauch.
2. Der Überschuss Ihrer Anlage
Den Speicher füllt nur der Strom, den Sie tagsüber nicht selbst verbrauchen. Wie viel das ist, steht in der Jahresabrechnung Ihres Netzbetreibers oder in der App Ihres Wechselrichters: die eingespeiste Menge. Kleine Anlagen, die mittags kaum Überschuss liefern, füllen einen Speicher nur an sonnigen Tagen. Im Winter bleibt er auch bei größeren Anlagen oft halb leer.
3. Die Vergütung Ihrer Anlage
Jede Kilowattstunde, die in den Speicher geht, speisen Sie nicht sofort ein. Sie sparen den Preis für Netzstrom, verlieren aber die Vergütung für diese Kilowattstunde. Je höher Ihre Vergütung, desto weniger bleibt übrig. Speist der Speicher später doch Strom ins Netz, wird dieser laut Verbraucherzentrale genauso vergütet, solange der Speicher nur Solarstrom lädt.
Was ein Speicher spart
Stellen Sie ein, wie viel Strom der Speicher im Jahr in den Abend verschiebt, was Sie für Netzstrom zahlen und welche Vergütung Ihre Anlage bekommt.
Jede verschobene Kilowattstunde spart 20 Cent: 32 Cent für Netzstrom minus 12 Cent Vergütung.
Kostet der Speicher samt Umbau mehr, als er in 10 bis 15 Jahren spart, rechnet er sich nicht.
Ein Beispiel mit runden Annahmen. Verluste im Speicher und künftige Strompreise sind nicht eingerechnet. Ein Speicher hält laut Verbraucherzentrale 10 bis 15 Jahre. Quelle: Verbraucherzentrale
Zuschuss Ihrer Gemeinde? Zum Förder-Finder →Für Anlagen, deren Förderung ausläuft, sieht die Rechnung besser aus. Mehr dazu in unserem Artikel zu Ü20-Anlagen.
Wie lange ein Speicher hält
Die Verbraucherzentrale rechnet mit einer Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren, bei Solarmodulen mit 20 bis 30 Jahren. Ein Speicher muss sein Geld also in seiner eigenen, kürzeren Lebenszeit wieder einbringen. Kleine Speicher sind pro Kilowattstunde teurer als große.
Der Rechner oben zeigt deshalb, was ein Speicher in 10 bis 15 Jahren spart. Legen Sie das neben den Gesamtpreis im Angebot: Speicher, wenn nötig ein neuer Wechselrichter und die Arbeiten am Zählerschrank. Liegt der Preis darüber, rechnet sich der Speicher finanziell nicht.
Aus unserer Praxis: Ein nachgerüsteter Speicher lohnt sich vor allem bei hohem Verbrauch und einer Anlage, die groß genug ist, um ihn an einem durchschnittlichen Tag zu füllen. Die Rendite der Solaranlage selbst erreicht er aber nie. Bei älteren Anlagen wird der Umbau meist größer als gedacht: Die alten Wechselrichter sind reine PV-Wechselrichter, ein neuer Hybrid-Wechselrichter wird fällig, und heute müssen wir meist ein APZ-Feld einbauen, für das im alten Zählerschrank oft kein Platz ist. Wer eine Anlage von etwa 2015 mit guter Einspeisevergütung hat, für den rechnet sich das finanziell meist nicht. Manche wollen den Speicher trotzdem, etwa für Notstrom, und das ist dann eine andere Entscheidung.
Was beim Umbau dazukommt
- Wechselrichter: Ältere Anlagen haben reine PV-Wechselrichter, die keinen Speicher laden können. Es gibt zwei Wege. Ein AC-gekoppelter Speicher bringt einen eigenen Wechselrichter mit und lässt sich laut Verbraucherzentrale leichter an eine bestehende Anlage anschließen. Ein DC-gekoppelter Speicher hängt an einem Hybrid-Wechselrichter, der den alten ersetzt, und verliert im Schnitt etwas weniger Strom bei der Umwandlung. Ist Ihr Wechselrichter ohnehin alt, spricht viel für den Tausch.
- Zählerschrank: Speicher, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen und mit mehr als 4,2 kW laden, muss der Netzbetreiber steuern können (§ 14a EnWG). Droht eine Überlastung im örtlichen Netz, darf er den Bezug aus dem Netz auf 4,2 kW drosseln; Strom vom eigenen Dach zählt dabei nicht mit. Im Gegenzug zahlen Sie weniger Netzentgelt. Für die Steuertechnik braucht der Zählerschrank Platz, heute meist auch ein APZ-Feld (Abschlusspunkt Zählerplatz) für die Kommunikationstechnik des Netzbetreibers. In alten Zählerschränken fehlt dieser Platz oft.
- Notstrom: Manche Speicher versorgen bei einem Stromausfall nur eine eigene Steckdose, andere das ganze Haus. Laut Verbraucherzentrale kostet das oft extra und geht nicht bei jedem Gerät. Wenn Sie Notstrom wollen, lassen Sie ihn ausdrücklich ins Angebot schreiben.
- Anmeldung: Fest installierte Speicher müssen ins Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, so wie Ihre Solaranlage. Wenn wir den Speicher einbauen, übernehmen wir die Meldung für Sie.
Tagsüber: Die Module versorgen das Haus, der Überschuss lädt den Speicher.Nach Sonnenuntergang: Die Module ruhen, der Speicher versorgt das Haus.
AC-gekoppelt
Ihr Wechselrichter bleibt
Der Speicher bringt einen eigenen Wechselrichter mit und hängt am Hausnetz. Deshalb lässt er sich bei einer bestehenden Anlage einfacher nachrüsten.
DC-gekoppelt
Ein Gerät für Module und Speicher
Module und Speicher hängen an einem Hybrid-Wechselrichter. Das bringt etwas weniger Umwandlungsverluste, heißt beim Nachrüsten aber meist: neuer Wechselrichter. Das passt, wenn der alte ohnehin ersetzt wird.
Vom Dach in den Speicher und später ins Haus wird der Strom zwischen Gleich- und Wechselstrom umgewandelt: beim AC-Speicher dreimal, beim DC-Speicher einmal.
Gleichstrom (DC) Wechselstrom (AC) Quelle: Verbraucherzentrale: Batteriespeicher
So prüfen Sie Ihren Fall
- Notieren Sie aus den letzten Abrechnungen Ihren Jahresverbrauch und die eingespeiste Menge.
- Sehen Sie nach, welche Vergütung Ihre Anlage pro Kilowattstunde bekommt und bis wann.
- Notieren Sie Hersteller und Typ Ihres Wechselrichters. Beides steht auf dem Typenschild.
Mit diesen Angaben können wir ehrlich sagen, ob sich ein Speicher bei Ihnen rechnet, und auch, wenn er es nicht tut. Schreiben Sie sie in die Nachricht beim Speicher-Check oder rufen Sie uns an.